Trans und non-binäre Personen identifizieren sich nicht oder nicht gänzlich mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht. Deshalb kann der Wunsch aufkommen, die soziale und administrative Zuordnung ihrer Geschlechtsidentität anzupassen. An der Universität Bern gibt es die Möglichkeit, Vorname und Geschlechtseintrag administrativ anzupassen – jedoch nur begrenzt auf die binären Geschlechter: weiblich und männlich. Universitäre Diplome können nach einer amtlichen Anpassung rückwirkend neu ausgestellt werden. Alle Informationen findest du hier.
Die SUB forderte am feministischen Streik 2019 in einer Petition mit über 2000 Unterschriften die Aufhebung bzw. Anpassung des Geschlechtseintrags für nicht-binäre Personen. Die Uni hat die Petition zur Kenntnis genommen, aber nicht auf unsere Forderungen reagiert. Wir bleiben dran.
Warum ist das wichtig?
Welche konkreten Probleme ergeben sich, wenn eine Person mit falschem (wenn auch amtlichen) Namen an der Universität eingeschrieben ist? Ein betroffener Student teilt seine Erfahrungen:
Dozierende – Ilias – Anwesenheitsliste
“Bei jeder einzelnen Veranstaltung müssen die Dozierenden informiert werden, dass mein alter Name auf der Teilnehmer*innenliste in ILIAS erscheint, dass ich aber trans bin und anders heisse. Manchmal vergessen sie es wieder oder mein alter Name landet trotzdem auf der Anwesenheitsliste, weil diese häufig direkt von Ilias übernommen wird. Das ist demütigend. Mein alter Name geht niemanden etwas an und ist irrelevant für meine Kommiliton*innen.”
Legi – Prüfungen – Mensa
“Es ergibt sich unnötiger Stress bei Prüfungen, weil ich mir Sorgen mache, dass mir nicht geglaubt wird, dass ich die Person auf der Legi bin (kann auch in der Mensa passieren). Ausserdem muss ich die Prüfungen mit dem alten Namen beschriften, häufig auf jeder Seite, was psychisch zusätzlich belastend ist.”
Uni-externe Dienste – Legi
“Muss ich mich für Uni-externe Dienste (zum Beispiel Datenbanken, die für Arbeiten gebraucht werden) mit der Legi identifizieren, gibt es immer Probleme und ich muss mich erklären.”
Uni-Mailadresse – Kommiliton*innen
“Die Uni-Mailadresse mit vollem (alten) Vornamen ist ein grosses Problem. Sie erscheint in Gruppenmails an ganze Kurse, womit alle Kommiliton*innen diesen sehen können. Sie ist praktisch unbenutzbar, um Mails zu versenden. Ist dies trotzdem nötig, ist es mit grossem psychischem Stress verbunden.”
Campus Account – Office 365
“Mit dem Campus Account kann man sich das Office 365 gratis herunterladen. Das ist super, denn das Programm ist teuer. Das Programm wird allerdings mit dem Immatrikulationsnamen (unabänderlich) gekennzeichnet, dieser hängt an allen Dokumenten, die damit erstellt werden. Das macht es sehr unangenehm, überhaupt damit zu arbeiten, geschweige denn, damit erstellte Dokumente zu verschicken.”
Zusammengefasst bedeutet ein falscher Name an der Uni unnötige Verwirrung und unangenehme Umstände für Dozierende und Kommiliton*innen, ausserdem Demütigung und Stress für Betroffene. Das unfreiwillige Verbreiten ihrer Geburtsnamen ist ein massiver Eingriff in ihre Privatsphäre. Deshalb ist die Änderung seit Januar 2018, auch dank dem Einsatz der SUB, möglich.